DING.
WG24
Für mich die ultimative Leuchte. Punkt.
WG24
Wagenfeld liebe ich schon ewig. Von seinem Fürstenberg-Geschirr steht bei mir einiges im Schrank, und die WG24 habe ich früher Bauherren gern zum Abschluss eines Projekts geschenkt.
Für mich ist sie bis heute schwer zu übertreffen. Vielleicht auch, weil ich weißen Kugeln grundsätzlich nur schwer widerstehen kann.
01 / WARUM.
Bei der WG24 komme ich seit Jahren zum selben Ergebnis: Genau so.
Glas, Metall, eine Kugel, ein Kreis, ein Schaft. Mehr braucht sie nicht. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sie nach hundert Jahren noch immer vollkommen selbstverständlich aussieht.
Sie ist präsent, ohne sich wichtigzumachen. Sie passt sich nicht an einen Raum an und drängt ihm trotzdem keinen Stil auf.
Ich kenne viele Leuchten. Diese würde ich immer wieder wählen.
02 / 1924.
Eine Leuchte, die aussehen sollte wie ein Industrieprodukt. Und keines war.
Wilhelm Wagenfeld war 24 Jahre alt, als er am Bauhaus in Weimar die Leuchte nach einer Aufgabenstellung von László Moholy-Nagy entwickelte. Die Vorgabe war modern: ein Entwurf für die industrielle Serienproduktion.
Nur wurde die Leuchte damals keineswegs industriell hergestellt. Selbst die Kleinserie für die Leipziger Herbstmesse 1924 entstand in aufwendiger Handarbeit. Dieses kleine Paradox gehört bis heute zu ihrer Geschichte.
03 / WARUM SIE FUNKTIONIERT.
Kreis. Linie. Kugel. Licht.
Bei der WG24 gibt es kaum etwas, das man wegnehmen könnte.
Der Fuß ist eine klare Glasscheibe. Darüber steht der gläserne Schaft mit seinem vernickelten Innenrohr. Oben sitzt der opalüberfangene Glasschirm.
Keine Dekoration. Keine modische Geste. Fast nur geometrische Grundformen.
Und trotzdem wirkt sie nicht technisch oder kalt. Das liegt für mich vor allem am Glas und am Licht. Der Schirm macht aus dem Leuchtmittel eine leuchtende Form – und aus einem technischen Gegenstand etwas beinahe Körperliches.
Das Bauhaus-Archiv beschreibt genau diese Verbindung aus technischen Materialien, sichtbarer Funktion und einfachen Grundkörpern als charakteristisch für den Entwurf.
04 / WG24. NICHT WA24.
Tecnolumen fertigt heute vier authentische Wagenfeld-Versionen. Bei der WG24 sind Fuß und Schaft aus Klarglas; im Schaft liegt das vernickelte Metallrohr. Die WA24 dagegen hat Fuß und Schaft aus vernickeltem Metall. Daneben gibt es die WG25 GL und die WA23 SW.
Meine ist die WG24.
Und ich glaube, genau das Gläserne ist es, was ich an ihr so mag. Die Konstruktion bleibt sichtbar und scheint gleichzeitig fast zu verschwinden.
05 / DAS ORIGINAL.
Bei kaum einer Leuchte ist die Kopie so allgegenwärtig.
Zum Original gehören auch die Details, die man auf den ersten Blick kaum sieht. Die von Tecnolumen gefertigte autorisierte Reedition wird nach den Originalangaben hergestellt; jede Leuchte ist fortlaufend nummeriert und trägt die Zeichen von Tecnolumen und Bauhaus. Tecnolumen bezeichnet sie als die von Wilhelm Wagenfeld autorisierte Reedition.
Das ist für mich kein nebensächliches Detail.
Zu einem guten Entwurf gehören Proportionen, Material, Verarbeitung – und diese merkwürdige Selbstverständlichkeit, mit der am Ende alles zusammenpasst.
06 / 36 ZENTIMETER.
ENTWURF
Wilhelm Wagenfeld · 1924
HERSTELLER
Tecnolumen · Bremen
MATERIAL
Klarglas · vernickeltes Metall · opalüberfangenes Glas
MASSE
H 36 cm · Fuß Ø 15,2 cm · Schirm Ø 18 cm
FASSUNG
E27
Tecnolumen empfiehlt eine matte 7-W-LED; ein klares Leuchtmittel soll vermieden werden, weil es Schatten auf dem Opalglas verursachen kann.
07 / WO.
Die WG24 kann für mich überall dort stehen, wo ein Raum einen kleinen Ruhepunkt verträgt.
Auf einem Sideboard.
Auf einem niedrigen Tisch.
Neben dem Bett.
Auf einem Schreibtisch, natürlich.
Und ich würde ihr Platz lassen.
Keine Ansammlung kleiner Dekogegenstände drumherum. Die braucht sie nicht.
08 / UND WENN SIE KAPUTTGEHT?
Für die WG24 gibt es den opalenen Glasschirm als Ersatzteil. Man muss also nicht die ganze Leuchte ersetzen, wenn ausgerechnet das empfindlichste Teil einen Umzug nicht überlebt.
09 / MEINE WAHL.
WG24 von Tecnolumen.
Nicht, weil sie ein Designklassiker ist.
Sondern weil ich nach hundert Jahren noch immer nichts daran ändern möchte.
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