GESCHICHTE.

Alles inklusive.

Cilento, 29. November 2024

Der Schlüssel klemmte. Markus zog ihn wieder heraus, sah ihn an und steckte ihn noch einmal ins Schloss.

„Nicht drücken.“ „Ich drücke nicht.“ „Du drückst.“ „Ich drehe.“ „Und drückst.“

Es war ihre erste Auseinandersetzung als italienische Hausbesitzer. Markus zog die Tür ein Stück zu sich heran. Der Schlüssel drehte sich.

„Siehst du.“

Elena sagte nichts. Sie gingen hinein. Beim letzten Mal war der Makler vor ihnen durch die Räume gelaufen. Türen auf, Türen zu, Quadratmeter, Grundstück, vista mare, cantina. Jetzt war es still.

Auf dem Küchentisch lag eine Wachstuchdecke. Sie gehörte ihnen. Das war ein seltsamer Gedanke.

Elena öffnete einen Schrank. Sechs Teller. Vier tiefe, zwei flache. Drei Gläser, fünf Tassen, eine davon mit einem Sprung. Ein Stapel Geschirrtücher. Eine Salatschüssel mit Zitronen darauf.

„Wir besitzen eine Salatschüssel.“

Markus stand im Flur und probierte einen anderen Schlüssel aus.

„Sehr gut.“ „Mit Zitronen.“ „Noch besser.“

In der nächsten Schublade lagen Messer, Gabeln, ein Korkenzieher und sieben Teelöffel.

„Warum sieben?“ „Vielleicht war einer übrig.“

Markus hatte inzwischen einen Schlüssel gefunden, der zu einer kleinen Tür unter der Treppe gehörte. Dahinter standen ein Besen, zwei Eimer und eine Rolle Draht.

„Draht“, sagte er.

Elena kam herüber.

„Den brauchen wir bestimmt dringend.“ „Man braucht immer Draht.“

Sie gingen weiter. Die Betten waren noch da. Die Schränke auch. Im Wohnzimmer standen die Sessel, die auf dem Inseratsfoto so aussahen, als warteten sie auf Besuch. Jetzt waren Elena und Markus der Besuch. Nur dass sie bleiben durften.

Elena öffnete einen Kleiderschrank. Leer. Im oberen Fach lag eine gefaltete Decke.

„Behalten?“ „Wir sind seit zwölf Minuten hier.“ „Also später.“ „Später.“

Sie gingen nach draußen. Das Gras war höher als bei der Besichtigung. Das kleine Gebäude zwischen den Bäumen stand noch immer da und wartete darauf, irgendwann genauer untersucht zu werden. Weiter hinten lag das Meer. Markus setzte sich auf die niedrige Mauer. Elena blieb stehen.

„Wir müssten einkaufen.“ „Mhm.“ „Und putzen.“ „Mhm.“ „Und ich möchte diese Wand streichen.“

Markus sah zur Fassade.

„Heute?“ „Nein.“

Das sagte sie ein bisschen zu schnell.

Sie fuhren in den nächsten Ort. Brot. Tomaten. Mozzarella. Oliven. Wasser. Wein. Kaffee für den Morgen. Elena nahm außerdem Spülmittel, Schwämme und eine Packung Müllbeutel. Markus legte eine Taschenlampe in den Wagen.

„Wir haben Strom.“ „Noch.“

Zurück im Haus öffneten sie die Fenster. Elena wischte den Küchentisch ab. Die Wachstuchdecke blieb. Nur für heute. Sie fanden zwei von den drei Gläsern, die ungefähr gleich groß waren. Markus öffnete den Wein mit dem Korkenzieher, der seit diesem Nachmittag ihnen gehörte.

Sie aßen Brot, Tomaten und Mozzarella. Keine Teller passten zusammen. Es war egal. Draußen wurde es langsam dunkel. Irgendwo bellte ein Hund. Ein Auto fuhr vorbei. Danach lange nichts. Elena sah sich in der Küche um. Morgen würde sie anfangen.

Die Wand. Die Vorhänge. Diese Lampe. Das Sofa auf jeden Fall. Und sie wollte wissen, was eigentlich in der Cantina stand.

„Was machen wir morgen?“, fragte Markus.

Elena nahm einen der sieben Teelöffel und legte ihn neben die Kaffeemaschine.

„Erst mal Kaffee.“