GESCHICHTE.
Das kann erst mal bleiben.
Am ersten Abend hatten sie nichts verändert. Am zweiten auch nicht. Das lag weniger an einem Plan als daran, dass das Haus vollständig eingerichtet gewesen war. Sofa, Tisch, Schränke, Gardinen. Sogar die Bilder hingen noch an den Wänden. Man hätte nur die Koffer auspacken müssen.
„Eigentlich praktisch“, sagte Markus.
Elena sah sich um. „Mhm.“
Sie saßen auf dem Sofa. Es war bequem. Leider.
„Das kann erst mal bleiben“, sagte Markus. Elena sagte nichts.
Am nächsten Morgen stand der Couchtisch noch da. Natürlich stand er noch da. Er war schließlich ein Couchtisch und hatte über Nacht keinerlei Anlass gehabt, das Haus zu verlassen. Elena stellte ihren Kaffee darauf.
„Der ist eigentlich gar nicht schlecht.“
Markus sah sie an. „Was?“
„Nichts.“
So begann es. Nicht mit einem Entwurf. Nicht mit einer Einkaufsliste. Sondern mit einer etwas verdächtigen Ansammlung von Dingen, die eigentlich gar nicht schlecht waren.
Der Ofen blieb sowieso. Die Wendeltreppe auch. Über die Balkendecke wurde nicht verhandelt. Bei den Gardinen dauerte die Diskussion länger. Markus fand, sie erfüllten ihren Zweck. Elena fand, das sei eine bemerkenswert niedrige Anforderung an eine Gardine. Am dritten Tag nahm sie sie ab. Nur probeweise. Der Raum wurde heller. Sie hängte sie wieder auf. Der Raum wurde wieder dunkler. Sie nahm sie noch einmal ab.
„Wissenschaftlich?“, fragte Markus.
„Ja.“
Danach blieben sie unten.
Mit jedem Ding, das verschwand, wurde deutlicher, was bleiben sollte. Und mit jedem Ding, das blieb, veränderte sich der Raum ein bisschen weniger, als Elena zunächst gedacht hatte. Das war überraschend.
Sie hatten ein Haus gekauft, keinen Rohbau. Jemand hatte hier gesessen, gegessen, geheizt, aus dem Fenster gesehen. Der Raum funktionierte längst. Er musste nicht erfunden werden. Nur irgendwann ihrer werden.
Das Sofa verlor diese Abstimmung schließlich doch. Nicht, weil es unbequem gewesen wäre. Im Gegenteil. Aber Elena wollte eines, auf dem man liegen, lesen, arbeiten und einen Nachmittag verlieren konnte, ohne dabei das Gefühl zu haben, bei jemand anderem zu Besuch zu sein.
Markus kümmerte sich derweil um die Dinge, die Elena nicht sah. Eine lockere Diele. Eine Steckdose. Die Ofentür. Eine Schublade am Sideboard, die nur mit einer bestimmten Bewegung aufging.
„Die muss man ein bisschen anheben.“
„Oder reparieren.“
„Man kann auch alles kompliziert machen.“
Das Sideboard blieb. Später kamen die Vorhänge. Ein anderes Licht. Der Teppich. Bilder. Nicht auf einmal.
Es gab keinen Samstag, an dem das alte Wohnzimmer verschwand und das neue erschien. Eine Zeit lang standen Dinge nebeneinander, die noch zum Haus gehörten und Dinge, die schon zu Elena und Markus gehörten. Dann wurde gestrichen.
Als alles wieder eingeräumt war, saßen sie abends auf dem neuen Sofa. Der Ofen brannte. Durch die Scheibengardine fiel das letzte Licht. Elena sah sich um.
Die Treppe war dieselbe. Die Balken waren dieselben. Der Ofen stand noch an derselben Stelle. Sogar das Sideboard.
„Eigentlich haben wir gar nicht so viel gemacht“, sagte Markus.
Elena sah ihn an. „Mhm.“
Auf dem Sideboard klemmte die Schublade nicht mehr. Markus hatte sie repariert.

