GESCHICHTE.

Markus?

Italien, 2024

Es fing mit einem Haus in den Abruzzen an. Elena hatte es an einem Dienstagabend im Februar gefunden. Drei Zimmer, ein Stück Land, eine Küche mit braunen Fliesen und ein Balkon mit Blick auf die Berge. 42.000 Euro.

„Guck mal.“

Markus nahm ihr das Tablet ab, vergrößerte das dritte Foto und schob es hin und her.

„Das Dach.“

„Was ist mit dem Dach?“

„Nichts. Noch.“

Damit war die Sache eigentlich erledigt. Am nächsten Abend fand Elena ein Haus in Kalabrien. Am Wochenende eines in der Basilikata. Dann eines in Umbrien, das sehr schön und damit sofort zu teuer war. Sie suchten kein Haus. Sie sahen sich Häuser an. Andere Leute sahen abends Serien. Nach ein paar Wochen hatten sie Regeln. Keine Ruine.

„Schade“, sagte Elena.

„Nein“, sagte Markus.

Kein Ferienpark. Kein Haus, das bereits jemand vollständig durchsaniert und anschließend beige eingerichtet hatte. Kein Weinberg, kein Bauernhof und nichts, wofür man einen Traktor brauchte. Ein bisschen Land dagegen schon.

„Olivenbäume?“

„Von mir aus.“

„Meer?“

„Gern.“

„Meerblick?“

„Jetzt wirst du übermütig.“

Irgendwann setzte Elena den Preisfilter auf 50.000 Euro. Danach wurden die Häuser interessanter. Und die Fotos schlechter. Markus hatte seine eigene Art entwickelt, italienische Immobilienanzeigen anzusehen. Sofas, Gardinen und künstliche Blumen blendete er aus. Er suchte nach Rissen, Dachanschlüssen und Fensterrahmen.

Elena schaute, wo ein Tisch stehen könnte. Sie lernte, dass vista panoramica nicht zwangsläufig bedeutete, dass man etwas sehen konnte. Markus wusste bald, dass da ristrutturare ein bemerkenswert dehnbarer Begriff war.

Sie schickten sich Links. Manche öffneten sie erst Tage später. Manche gar nicht. Im Mai hatten sie zwölf Häuser gespeichert. Im Juni noch drei. Im Juli keines. Sie fuhren in Urlaub, nicht nach Italien, und redeten zwei Wochen lang nicht darüber.

Dann kam der 13. August.

Es war warm. Elena saß am offenen Fenster, den Laptop auf den Knien. Markus saß am Tisch und sortierte Fotografien, die er seit Monaten sortieren wollte. Elena hatte nicht vorgehabt, nach Häusern zu suchen. Eine halbe Stunde später war sie irgendwo in Süditalien. Das erste Haus hatte keine Fenster. Das zweite hatte sieben Schlafzimmer und eine Tankstelle gegenüber. Beim dritten blieb sie hängen.

Zwei Etagen. Nicht groß. Nicht klein. Möbliert. Ein Grundstück, dessen Grenzen auf den Fotos nicht recht zu erkennen waren. Bäume. Viel Himmel. Sie klickte weiter. Eine Küche. Zwei Schlafzimmer. Eine Treppe. Ein Wohnzimmer, in dem jemand die Sessel so aufgestellt hatte, als erwarte er Besuch. Dann ein Foto von draußen. Hinter dem Haus fiel das Land ab. Ganz hinten lag ein schmaler blauer Streifen. Elena ging zurück zum Anfang.

29.000 Euro.

Sie las die Beschreibung noch einmal. Abitabile. Bewohnbar. Grundstück. Zwei Ebenen. Meerblick. Sie öffnete die Karte. Kampanien. Weiter südlich als Neapel. Cilento. Der Name sagte ihr etwas. Nationalpark vielleicht. Irgendetwas mit George Clooney und einem Motorrad. Sie öffnete einen neuen Tab. Cilento. Noch einen. Flughafen Neapel. Noch einen. Haus kaufen Italien Nebenkosten.

Dann schloss sie alle drei wieder. Das Haus war noch da. Elena betrachtete noch einmal die Küche. Die Treppe. Den schmalen blauen Streifen zwischen den Bäumen. Normalerweise hätte sie Markus jetzt den Link geschickt. Stattdessen sah sie zu ihm hinüber.

„Markus?“