MEINE GESCHICHTEN · 03
Weiß.
Welches?
Eine vollkommen sachliche Diskussion.
Zwei Wochen lang.
Ich habe einmal zwei Wochen mit meinem Partner über einen Weißton diskutiert.
Zwei Wochen.Über Weiß.
Das Problem war nicht, dass einer von uns keinen Unterschied gesehen hätte.
Wir sahen beide sehr genau einen.
Nur nicht denselben.
Zwei Architekten eben.
Denn Weiß ist nicht Weiß.
Das weiß jeder, der einmal mit einem Farbfächer vor einer Wand gestanden hat. Es gibt Weiß mit Grau. Weiß mit Gelb. Weiß mit Blau. Weiß, das neben einem anderen Weiß plötzlich rosa aussieht.
Solange es allein ist, hält es sich für unschuldig.
Dann stellt man etwas daneben.
Und schon ist es vorbei mit der Unschuld.
Plötzlich ist das sorgfältig ausgesuchte Weiß gelblich. Die Tür bläulich. Der Vorhang schmutzig. Oder die Wand sieht aus, als hätte jemand vergessen, sie zu streichen.
Offensichtlich mindestens zwei Wochen.
Dabei mag ich Weiß gerade deshalb, weil es eigentlich nichts will.
Es soll Licht tragen.
Es soll andere Materialien in Ruhe lassen. Es soll einem alten Stein nicht die Show stehlen und einem Raum Luft geben.
Aber dafür muss es das richtige Weiß sein.Als Architektin müsste ich an dieser Stelle vermutlich etwas über Lichttemperatur, Reflexion, Himmelsrichtung und Materialität sagen.
Alles richtig.In der Praxis stehen dann zwei Architekten mit drei nahezu identischen Mustern vor einer Wand.
Und irgendwann sind wir uns vollkommen einig:
So geht es nicht.
Nur darüber, welches stattdessen, noch nicht.
Besonders schön wird es übrigens, wenn jemand sagt:
„Nehmt doch einfach Weiß.“
Ja.

