GESCHICHTE.

Und das Bidet?

Das Bad war klein. Sehr klein. Trotzdem kam niemand auf die Idee, dass ausgerechnet das Bidet fehlen könnte. Außer Markus.

Das Bad war klein. Nicht klein im Sinne von: Mit ein bisschen Geschick bekommt man da schon noch eine freistehende Badewanne hinein. Sondern klein. Dusche. Waschbecken. WC. Bidet. Damit war der Raum im Wesentlichen beschrieben.

Elena stand in der Tür und sah hinein. „Das wird eng.“

Markus sah ebenfalls hinein. „Das ist eng.“

Sie hatten an diesem Vormittag bereits mehrere Varianten besprochen. Die Dusche konnte etwas größer werden. Das Waschbecken etwas kleiner. Die Tür war, wo sie war. Das Fenster auch.

Irgendwann holte Markus Papier. Er zeichnete den Raum auf. Nicht besonders genau, aber genau genug, um festzustellen, dass er auch auf Papier nicht größer wurde.

„Wenn wir das hier weglassen“, sagte er.

Elena sah auf seinen Finger. „Was?“

„Das Bidet.“

Sie sah ihn an. „Das Bidet?“

„Ja.“

„Warum?“

Markus überlegte kurz. „Weil wir dann mehr Platz hätten.“

Das Argument war sachlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Das Bidet nahm Platz ein. Ungefähr so viel wie ein kleines WC. Man musste davor stehen können. Daneben auch irgendwie. Leitungen brauchte es ebenfalls. Und wenn man in einem Raum kaum einen Schritt machen konnte, war ein Gegenstand, dessen Entfernung einen halben Quadratmeter zurückbrachte, zumindest einer näheren Betrachtung wert.

Elena betrachtete ihn näher. „Wir sind in Italien.“

„Das weiß ich.“

„Offenbar nicht.“

Damit war die erste Planungsrunde beendet. Später fragte Markus noch einmal. Diesmal vorsichtiger.

„Benutzt du es denn?“

Elena sah von ihrem Kaffee auf. „Was?“

„Das Bidet.“

„Natürlich.“

Er nickte. Es gibt Fragen, bei denen man bereits während des Aussprechens merkt, dass sie strategisch ungünstig gewählt waren.

Am Nachmittag kam ein Nachbar vorbei. Eigentlich wegen etwas anderem. Wie das bei Häusern so ist, stand er zehn Minuten später trotzdem im Badezimmer. Markus zeigte ihm die Dusche. Das Waschbecken. Er erklärte, dass sie ein bisschen mehr Bewegungsfläche gewinnen wollten. Dann deutete er auf das Bidet.

„Vielleicht kommt das raus.“

Der Nachbar sah ihn an. Dann Elena. Dann wieder Markus.

„Perché?“ Warum?

Markus begann seine Erklärung noch einmal. Kleines Bad. Wenig Platz. Größere Dusche. Der Nachbar hörte aufmerksam zu.

„No.“ Mehr sagte er nicht.

Am Abend lag die Zeichnung noch auf dem Tisch. Markus nahm den Stift und schob die Dusche ein paar Zentimeter nach links. Das Waschbecken wurde schmaler. Dann zeichnete er das Bidet wieder ein. Elena sagte nichts.

„Es ist schon interessant“, sagte Markus schließlich, „wie schnell aus einer völlig normalen Sanierung eine kulturelle Grundsatzfrage wird.“

„Du wolltest das Bidet abschaffen.“

„Ich wollte vierzig Zentimeter.“

„Auf Kosten der Zivilisation.“

Markus legte den Stift weg. Das Bad blieb klein. Die Dusche wurde größer. Ein bisschen. Das Waschbecken kleiner. Ein bisschen. Und das Bidet blieb genau dort, wo es war.

Man kann schließlich nicht alles dem Grundriss opfern.