HAUSWISSEN · 05
Wie kommt ein Foto
in die Dusche?
Ich wollte ein Bild in der Dusche.

Die Schwarzweißfotografie nimmt die ganze Rückwand der Dusche ein.
Kein Fliesenbild.
Keine stilisierte Welle.
Keine Palme.
Und ganz sicher keinen Delfin.
Ein richtiges Bild.
Eine große Schwarzweißfotografie, die die ganze Rückwand einnimmt.
Das Problem an Ideen ist nur: Irgendwann müssen sie gebaut werden.
Und spätestens dann kommt die Architektin in mir und fragt die eher unromantischen Dinge:
Worauf drucken wir das?
Wie wird es befestigt?
Was passiert mit dem Wasser?
Und wie sieht das Ganze nach fünf Jahren aus?
Denn eine Dusche ist kein besonders freundlicher Ort für ein Foto.
Die Fliese ist nicht das Problem.
Fliesen können Wasser.
Deshalb hängen wir sie seit Jahrhunderten in Bäder.
Interessant wird es, wenn man genau das nicht möchte: ein Raster aus Fugen, das mitten durch einen Himmel, einen Olivenbaum oder eine Landschaft läuft.
Ich wollte eine Fläche.
Ein Bild.
Also muss das Motiv auf ein Material, das großformatig verarbeitet werden kann und mit Wasser, Wärme, Reinigungsmitteln und täglichem Gebrauch zurechtkommt.
Und davon gibt es inzwischen einige.
Möglichkeit eins: Das Bild hinter Glas.
Das ist die naheliegende Lösung.
Die Fotografie wird auf die Rückseite einer geeigneten Glasplatte gedruckt oder als Motiv hinter Glas ausgeführt. Vorne bleibt eine geschlossene, glatte Oberfläche.
Keine Fugen durch das Motiv.
Gut zu reinigen.
Und das Bild selbst kommt mit dem Wasser überhaupt nicht in Berührung.
Klingt perfekt.
Fast.
Denn Glas ist Glas. Es reflektiert. Es hat eine bestimmte Tiefe und Brillanz. Das kann großartig aussehen – oder plötzlich nach sehr großer Küchenrückwand.
Genau deshalb würde ich nicht einfach irgendein schönes Foto auf irgendeine Glasplatte drucken lassen.
Motiv, Oberfläche und Raum müssen zusammen gedacht werden.
Möglichkeit zwei: Großformatige Wandpaneele.
Auch dafür gibt es wasserbeständige Systeme, die individuell bedruckt werden können.
Der Vorteil liegt auf der Hand: sehr große, nahezu fugenlose Flächen, relativ geringe Materialstärken und eine andere Wirkung als Glas.
Gerade bei einer Schwarzweißfotografie kann eine matte Oberfläche sehr viel schöner sein.
Aber auch hier gilt:
Nicht jedes Paneel, das als „wasserfest“ verkauft wird, gehört automatisch in eine Dusche.
Entscheidend ist das gesamte System – Platte, Kanten, Anschlüsse, Befestigung und der Untergrund dahinter.
Möglichkeit drei: Tapete.
Ja.
Tapete in der Dusche.
Zumindest etwas, das zunächst so aussieht.
Es gibt spezielle Wandbekleidungssysteme für Nassbereiche, bei denen Motive auf dafür geeignete Bahnen oder Beschichtungen gedruckt und anschließend mit einem wasserbeständigen System verarbeitet werden.
Das eröffnet gestalterisch natürlich Welten.
Plötzlich muss eine Dusche überhaupt nicht mehr aussehen wie eine Dusche.
Aber auch hier würde ich sehr genau hinschauen, für welchen Nassbereich das jeweilige System tatsächlich zugelassen und vom Hersteller vorgesehen ist.
„Feuchtraumgeeignet“ und „dauerhaft direkt unter der Brause“ sind zwei sehr verschiedene Aussagen.
Und darunter?
Das ist der weniger fotogene Teil der Geschichte.
Ein schönes wasserbeständiges Bild ersetzt keine fachgerechte Abdichtung.
Die Dusche muss darunter als Dusche funktionieren.
Wandflächen, Anschlüsse, Durchdringungen, Armaturen und Übergänge müssen entsprechend dem verwendeten Aufbau fachgerecht geplant und ausgeführt werden.
Das Bild ist die Oberfläche.
Die Abdichtung ist die Konstruktion.
Ich würde niemals versuchen, aus einem dekorativen Produkt nachträglich eine Abdichtung zu machen.
Das ist ungefähr so, als würde man einen hübschen Regenschirm aufs Dach legen und behaupten, das Haus sei jetzt dicht.
Bleibt noch das Wichtigste: das Bild.
Technisch können wir inzwischen erstaunlich viel.
Das bedeutet leider nicht, dass wir es auch tun sollten.
Bei Elena und Markus wollte ich deshalb keine typische Mittelmeeridylle.
Kein türkisfarbenes Meer.
Keine Vespa.
Keine Zitronen.
Das Haus braucht keine Illustration davon, dass es in Italien steht.
Das weiß es selbst.
Mich interessiert dort eine Schwarzweißfotografie, die eher wie ein weiteres Fenster funktioniert.
Eine Landschaft vielleicht.
Ein Stück Architektur.
Etwas, bei dem man nicht beim ersten Blick schon alles gesehen hat.
Und genau da wird aus der technischen Frage wieder eine gestalterische:
Man duscht. Man schaut hin. Morgen wieder. Und übermorgen auch. Das sollte ein Bild aushalten.
Welches Bild darf dort jeden Tag bleiben?

