DINGE. / KUNST.
Claire
Fersch-Limpert.
Was ich von ihr an die Wand hängen würde.
Ich würde niemals ein Bild kaufen, weil es zum Sofa passt.
Andersherum wird eher etwas daraus.
Ein Bild ist da. Es behauptet seinen Platz. Und plötzlich muss der Raum damit klarkommen.
Bei Claire Fersch-Limpert ist das nicht ganz einfach.
Ihre Bilder sind nicht besonders höflich.
Da passiert viel. Linien laufen los, Farben geraten aneinander, Figuren tauchen auf und verschwinden wieder. Manches ist fast gegenständlich, manches nur noch eine Ahnung davon.
Ich mag das.
Nicht alles.
Das muss ich auch nicht.
Ich kuratiere schließlich keinen Werkkatalog.
Ich suche Bilder für Räume.

Flaniermeile.
Manche Bilder hängen an der Wand.
Andere wohnen irgendwann dort.
„Flaniermeile“ von Claire Fersch-Limpert gehört für mich zur zweiten Sorte.
Eine kleine Gesellschaft zieht durchs Bild. Große, Kleine, Schmale, Dunkle, Leuchtende. Sie gehen miteinander und gleichzeitig jede für sich. Niemand scheint es besonders eilig zu haben.
Vielleicht mag ich es deshalb so.
Es ist kein Bild, das einen Raum dekoriert. Es bringt etwas mit hinein: Menschen, Bewegung, Farbe – und diese eigentümliche Mischung aus Nähe und Abstand, die man auf Straßen und Plätzen beobachten kann.
Fast wie auf einer Piazza.
Claire Fersch-Limpert · Flaniermeile · 2026

Gefangener Mond.
Dorthin: Schlafzimmer.Nicht über das Bett.
Eher gegenüber.
Ein Bild, das man morgens sieht, bevor man beschlossen hat, was für ein Tag das werden soll.

Kalligrafie des Herzens.
Dorthin: Arbeitsgalerie.Zwischen Schwarz, Holz, Büchern und dem alten Eisengeländer darf ein Bild ruhig ein bisschen dazwischenreden.
Das hier würde ich nicht mit weiteren Bildern umgeben.
Es kann das allein.

Stelen des Lichts.
Dorthin: Essraum.Große Wand.
Alter Tisch.
Sonst wenig.
Und bitte keinen Dekokram danebenstellen, der eine der Farben aus dem Bild „wieder aufnimmt“.
Das Bild hat das nicht nötig.
UND WAS MACHE ICH JETZT MIT DEM SOFA?
Nichts.
Jedenfalls kaufe ich kein neues, weil im Bild irgendwo Blau vorkommt.
Kunst und Einrichtung müssen nicht Ton in Ton miteinander leben.
Sie müssen sich auch nicht gegenseitig zitieren.
Ich finde es viel interessanter, wenn ein Bild etwas in einen Raum hineinbringt, das vorher noch nicht da war.
Unruhe vielleicht.
Oder Witz.
Oder eine Farbe, die sich mit allem anderen ein bisschen beißt.
Ein Raum darf Widerspruch vertragen.
Welcher
Rahmen?
Da bin ich langweilig.
Je stärker das Bild, desto weniger möchte ich vom Rahmen wissen.
Schwarz.
Dunkles Holz.
Naturholz.
Vielleicht gar keiner.
Das entscheidet das Werk.
Nicht die Einrichtung.
Und Passepartouts sind kein Mittel, um ein zu kleines Bild irgendwie auf Sofabreite zu bekommen.
CLAIRE.
Mehr über Claire, ihre Arbeiten und ihre Ausstellungen erzählt sie am besten selbst.
KUNST SUCHT RAUM.

