HAUSWISSEN.

Selber machen aber was?

Eigenleistung kann bei einem alten Haus viel Geld sparen. Entscheidend ist aber nicht nur, was man handwerklich kann – sondern was man selbst machen sollte und wann Planung, Fachbetrieb oder Nachweis erforderlich werden.

Die Genehmigung ist da. Der Plan steht. Und dann kommt dieser Satz:

„Den Rest mache ich selbst.“

Kann man machen.Gerade bei einem alten Haus kann Eigenleistung sehr viel Geld sparen. Und für manche gehört sie schlicht zum Vergnügen dazu. Nur sollte man vorher klären, was mit selbst eigentlich gemeint ist.

Selber bauen ist nicht dasselbe wie selber planen.

Eine Wand streichen.

Alte Fliesen abschlagen.

Einen Boden verlegen.

Türen aufarbeiten.

Eine Küche einbauen.

Das sind andere Dinge als:

eine tragende Wand öffnen,

aus einer Cantina Wohnraum machen,

die Elektroanlage erneuern

oder eine neue Heizungsanlage installieren.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Kann ich handwerklich alles selbst? Sondern: Was darf und sollte ich selbst machen – und wofür brauche ich jemanden, der plant, prüft oder etwas bescheinigt?

Vier Spalten statt Bauchgefühl.

Vor Baubeginn würde ich deshalb sämtliche Arbeiten einmal aufschreiben. Und daneben vier Spalten setzen:

SELBST.

FACHBETRIEB.

GEMEINSAM.

NOCH ZU KLÄREN.

Dann wird aus „Ich mache fast alles selbst“ ziemlich schnell ein realistischer Bauablauf.

Was eignet sich gut für Eigenleistung?

Vieles. Rückbau kann dazugehören. Malerarbeiten. Oberflächen. Bodenbeläge. Aufarbeitung alter Türen und Möbel. Einbauten. Teile des Trockenbaus. Außenarbeiten.

Und natürlich all die kleinen Arbeiten, für die auf einer Baustelle erstaunlich viele Stunden verschwinden.

Wer handwerklich erfahren ist, kann erheblich weiter gehen. Entscheidend ist aber nicht nur das Können.

Manche Arbeiten brauchen am Ende ein Stück Papier.

Bei technischen Anlagen wird das wichtig. Für Elektro-, Heizungs-, Gas- oder bestimmte Sanitärinstallationen können Fachunternehmer und entsprechende Konformitätsnachweise erforderlich sein.

Dann hilft es wenig, wenn die Anlage hervorragend funktioniert, aber später niemand die erforderliche Bescheinigung dafür ausstellen kann.

Deshalb sollte man vorher klären, welche Arbeiten selbst ausgeführt werden können und an welcher Stelle ein zugelassener Betrieb übernehmen muss.

Nicht erst, wenn die Wand wieder geschlossen ist.

Und bei tragenden Bauteilen?

Ein neues Fenster in einer dicken Natursteinwand sieht zunächst nach: "Loch machen. Sturz rein. Fenster rein." aus.

Baurechtlich und statisch kann es etwas ganz anderes sein.

Wenn Tragwerk verändert wird, gehören Planung, Berechnung und die erforderlichen Nachweise in professionelle Hände.

Das bedeutet nicht zwingend, dass der Bauherr keinen Stein selbst anfassen darf.

Es bedeutet: Jemand muss vorher wissen, was dort passiert.

Eigenleistung verändert auch die Baustelle.

Wenn ein Eigentümer allein arbeitet, ist das eine Sache. Wenn gleichzeitig Maurer, Elektriker, Installateur und andere Unternehmen beteiligt sind, eine andere.

Dann werden Koordination und Baustellensicherheit relevant. Auch deshalb sollte vor Baubeginn feststehen:

Wer arbeitet wann?

Wer arbeitet gleichzeitig?

Wer trägt welche Verantwortung?

Und wer muss welche Unterlagen liefern?

Eigenleistung gehört in die Kostenplanung.

Ein Quadratmeterpreis hilft hier kaum weiter. Wenn Sie selbst bauen, sollten Material und Arbeitsleistung getrennt betrachtet werden.

Aus:

Bad – 10.000 Euro

wird dann beispielsweise:

Sanitärobjekte.

Armaturen.

Leitungen.

Abdichtung.

Fliesen.

Elektro.

Arbeitszeit.

Und plötzlich sieht man, wo Eigenleistung tatsächlich Geld spart – und wo kaum. Genau deshalb ist ein sauber gegliederter computo metrico auch für Selbstbauer interessant.

Selbst machen heißt nicht: allein machen.

Vielleicht ist genau das die vernünftigste Form der Eigenleistung:

Der Bauherr macht alles, was er gut kann.

Der Architekt plant.

Der örtliche Techniker kümmert sich um die erforderlichen Genehmigungen und Nachweise.

Fachbetriebe übernehmen die Arbeiten, für die eine besondere Qualifikation oder Bescheinigung erforderlich ist.

Und niemand wird dafür bezahlt, etwas zu tun, was der Bauherr genauso gut selbst erledigen kann.

Also: selber machen?

Ja.

Aber nicht als Prinzip. Sondern als Plan. Denn Eigenleistung spart vor allem dann Geld, wenn vorher klar ist,

was Sie selbst machen,

was Sie nicht selbst machen sollten

und

wann jemand anderes übernehmen muss.